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EAP (employee assistance program) – Eine lohnende Investition in die psychische Gesundheit der Beschäftigten

Seit Jahren steigt sowohl die Zahl der Arbeitsunfähigkeitsmeldungen aufgrund psychischer Erkrankungen als auch die Dauer der Krankschreibungen. Ein psychisch kranker Arbeitnehmer fehlte in 2017 rund 44 Tage pro Krankschreibungsfall. Nur Muskel-Skelett-Erkrankungen führten zu noch längeren Ausfällen. Psychische Erkrankungen gehören also zu den häufigsten und auch kostenintensivsten Erkrankungen.[1]

Aber auch Belastungen durch kritische Ereignisse und problematische Lebenssituationen wirken sich negativ auf die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten aus. Der Fehlzeitenreport 2017 konstatiert: „Lebenskrisen beeinflussen den Job“ und zeigt, dass Mitarbeiter*innen in Krisensituationen häufiger unzufrieden mit der Arbeit sind und sich häufiger krankschreiben lassen.[2]

Nicht  immer sind es Krankheiten und Lebenskrisen, die zu Fehlzeiten und Präsentismus führen. Auch ganz alltägliche Sorgen, Stress in der Familie oder am Arbeitsplatz, Anforderungen durch pflegebedürftige Angehörige usw. führen oft zu herabgesetzter Konzentrationsfähigkeit am Arbeitsplatz, geistiger Abwesenheit und dadurch verringerter Produktivität.

EAP in Deutschland

Mehr und mehr Unternehmen lassen daher ihre Beschäftigten nicht mit ihren Sorgen allein, sondern unterstützen sie durch die Einrichtung eines sogenannten EAP (Employee Assistance Program).

EAP-Angebote wurden in den 1930er Jahren in den USA als Unterstützung in der Suchtberatung entwickelt und ist dort mittlerweile in vielen Unternehmen fest etabliert. Auch in Deutschland gewinnt das EAP („Externe Mitarbeiterberatung“ genannt) als Teil der Betrieblichen Gesundheitsförderung zunehmend an Bedeutung.

EAP-Anbieter bieten meist verschiedene Beratungsformen und –module an. Allen gemeinsam ist, dass der Arbeitgeber den entsprechenden Service bucht und die Mitarbeiter*innen diesen kostenfrei und anonym nutzen können.

Wie funktioniert der Service?

Mit der Installation eines EAP im Unternehmen erhalten die Mitarbeiter*innen Informationen sowie Kontaktdaten des EAP-Anbieters, z.B. eine Karte mit Telefonnummer. Bei Beratungsbedarf kontaktiert der/die Ratsuchende den EAP-Anbieter und schildert das Beratungsanliegen. Meist sind auch die im Haushalt lebenden Familienangehörigen befugt, den Service zu nutzen. Ist eine telefonische Beratung gebucht, findet die Beratung meist umgehend statt, d.h. der/die  Mitarbeiter*in wird mit einem passenden Experten verbunden. Ist eine persönliche Face-to-face-Beratung gebucht bzw. gewünscht, wird ein Termin für ein Beratungsgespräch vereinbart. Ob die Dauer bzw. Häufigkeit der Beratungen begrenzt ist, hängt von den Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und EAP-Anbieter ab. 

Beratungsfelder

Die Basis der EAP-Beratung ist meist:

  • Psychosoziale Beratung zu privaten, gesundheitlichen und beruflichen Anliegen:

 
z.B. Partnerschaft, Trennung, Kindererziehung, psychische Erkrankungen, Sucht, Lebenskrisen, Pflegebedürftigkeit, Todesfall, Konflikte mit Kollegen bzw. Vorgesetzten, Überlastung am Arbeitsplatz

  • Coaching für Führungskräfte
  • Rechtliche Beratung und Schuldnerberatung
  • Recherche- und Vermittlungsservice:

 

z.B. Unterstützung bei der Suche nach Therapieplätzen, Klinikplätzen, Facharztterminen, Familientherapie, Selbsthilfegruppen etc, Recherche von Kindergartenplätzen, Babysittern, Nachhilfe, Pflegeheimplätzen, ambulanten Pflegediensten etc.

Darüber hinaus werden z.T. auch angeboten:

  • Krisenintervention bzw. notfallpsychologische Einsätze (tödliche Arbeitsunfälle, Suizid, Überfall etc.)
  • Vorträge, Seminare und Workshops zu diversen Themen
  • Organisationsberatung
  • Unterstützung des BGM
  • Implementierung und Begleitung eines BEM
  • Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen etc.

 

Was haben die Beschäftigten davon?

Die Vorteile für die Mitarbeiter*innen liegen auf der Hand: Sie erhalten schnelle und hochqualifizierte Unterstützung, wenn Sie Lösungen für Ihre Sorgen und Probleme suchen – egal ob diese privater, gesundheitlicher oder beruflicher Natur sind. Der Vermittlungsservice nimmt ihnen vor allem zeitintensive Recherche (z.B. nach Kindergartenplätzen) ab und fördert damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Insbesondere im Falle einer psychischen Erkrankung kann die Unterstützung durch Beratung und Recherche (Therapieplätze, Klinikplätze etc.) die Heilung beschleunigen und eine Chronifizierung verhindern. Allein das Wissen, sich jederzeit kostenfrei und unkompliziert Hilfe holen zu können, entlastet viele Menschen sehr und erhöht die Zufriedenheit und psychische Stabilität.

Was haben die Unternehmen davon?

Zufriedene und gesunde Mitarbeiter*innen sind produktive Mitarbeiter*innen. Die Investition in ein EAP zahlt sich aus durch:

Verringerung von Fehlzeiten:

  • Sofortige Beratung verhindert Entwicklung von Krankheiten sowie mögliche Chronifizierung
  • Beratung entlastet, dies senkt den Stresslevel, die Anfälligkeit für Krankheiten sinkt
  • Zügige Vermittlung von z.B. Sucht- und Reha-Kliniken verringert die Krankheitsdauer

 

Niedrigerer Präsentismus:

  • Entlastung in schwierigen Lebenslagen
  • Mitarbeiter*innen können sich während der Arbeitszeit wirklich auf die Arbeit konzentrieren

 
Unterstützung des Managementteams (Führungskräfte, HR, BGM etc.):

  • Coaching zu Führungsfragen oder konkreten Situationen entlastet und stärkt die Führungskräfte
  • EAP-Experten geben Sicherheit im Umgang mit auffälligen Mitarbeitern
  • Fachmännische Unterstützung im Krisenfall (Arbeitsunfall, Suizid eines Mitarbeiters etc.)

 

Entlastung von Sozialstelle und Betriebsarzt

  • EAP-Experten begleiten und ergänzen bei psychologisch anspruchsvollen Fragen
  • Der Recherche- und Vermittlungsservice kann die Beratungen des Betriebsarztes ergänzen

 

Wettbewerbsvorteil am Arbeitsmarkt:

  • wirksames Instrument des Employer Branding
  • insbesondere die Generation Y erwartet Lösungen für eine ausgewogene work-life-balance.

 

Höhere Motivation – geringere Fluktuation

  • Mitarbeiter*innen sehen im EAP-Angebot eine Wertschätzung ihrer Arbeit und ihrer Person
  • Eine gesundheitsfördernde Unternehmenskultur hat Einfluss auf das Engagement
  • Durch die Entstigmatisierung psychischer Belastungen wird eine offene Unternehmenskultur geschaffen.

 
Ein  EAP ist also aus unternehmerischer Sicht nicht nur ein nice-to-have und sollte auf keinen Fall als unnötiger „Psychokram“ abgetan werden, sondern rentiert sich auf verschiedene Weise.

Bevor Sie sich für ein EAP entscheiden

Es gibt in Deutschland eine Reihe von EAP-Anbietern, die z.T. unterschiedliche Schwerpunkte in ihrer Arbeit legen. Wenn Sie ein EAP implementieren möchten, sollten Sie sich darüber Gedanken machen, welche Anforderungen Ihr Unternehmen an ein EAP hat, v.a.:

  • Bevorzugen wir Telefonische Sofortberatung oder Face-to-face-Beratung mit Terminvergabe und Wartezeit?
  • Soll die Anzahl der Beratungen pro Mitarbeiter*in begrenzt sein?
  • Über welche Qualifikation sollten die Berater verfügen?
  • Welche Qualität erwarten wir in der Recherche/Vermittlung – Wie weit soll die Vermittlung gehen?
  • Sind die Erfahrungen des EAP-Anbieters in der Branche wichtig für uns?
  • Welche Anforderungen haben wir hinsichtlich Qualitätssicherung / Zertifizierung?
  • Sind Vorträge, Workshops und Seminare zusätzlich zur reinen EAP-Beratung gewünscht?
  • Ist Organisationsberatung, z.B.  im Bereich BGM gewünscht?

 
Gerade die unterschiedlichen Ausprägungen und Schwerpunkte der EAP-Angebote zeigen, dass immer mehr Unternehmen vom Nutzen der Externen Mitarbeiterberatung überzeugt sind und Module wählen, die passgenau zugeschnitten sind auf ihre Anforderungen. Das EAP wird in Zukunft aus der Betrieblichen Gesundheitsförderung in deutschen Unternehmen nicht mehr wegzudenken sein.

Inken Schubert

Die Autorin leitet die Kundenbetreuung eines norddeutschen EAP-Anbieters.

[1]DAK-Gesundheitsreport 2018

[2]Fehlzeitenreport des Wissenschaftlichen Instituts der AOK 2017

 

 


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