Deutsche Gesellschaft für Management und Controlling in der Sozialwirtschaft e.V.
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Handeln und Denken in der Zone des Nichtwissens

Handeln und Denken in der Zone des Nichtwissens

Was passiert, wenn wir uns bei Projekten oder Vorhaben in einer Zone des Nichtwissens befinden? Wenn wir keine klaren Anhaltspunkte für unser Denken und Handeln finden? Für den einen mag diese Situation dazu führen, dass man abwartet, andere mögen erschrocken innehalten. Eine Gruppe von Menschen fängt in diesen Situationen an zu handeln. Dies hat die amerikanische Entrepreneurship-Forscherin Saras D. Sarasvathy von der University of Virginia in ihren Studien mit Unternehmensgründern Ende der 90 Jahre herausgefunden. In diesen Studien, welche sie mit einem ausgewählten Kreis von erfahrenen Gründern durchführte, stellte Sarasvathy den Studienteilnehmern mehrere Aufgaben und hörte ihnen dann beim Denken zu. Interessanterweise konnte sie beim Zuhören nicht die aus der Managementliteratur bekannten Tools und Techniken entdecken, sondern beobachtete viel mehr, dass diese Gründer auf eine eigene Art und Weise über die Ihnen gestellten Probleme nachdachten. Diese Art und Weise nannte sie „Effectuation“, ein Kunstwort, welches ein auf Wirkung hin ausgerichtetes Denken und Handeln beschreiben soll. „Effectuation“ ist dabei nichts komplett Neues. Elemente dieses Denken und Handelns sind uns alle aus Situationen bekannt, in denen wir gezwungen waren, trotz Nichtwissen zu handeln. Man kann „Effectuation“ daher als einen Denk- und Handlungsansatz beschreiben, welcher genau dann hilfreich ist, wenn wir in einer Situation großer Unsicherheit agieren und trotzdem nicht alles dem Zufall überlassen wollen.

Wie aber funktioniert Effectuation? Hier identifizierte Sarasvathy vier Prinzipien:

  • Mittelorientierung: „Beginnen Sie bei dem, wer Sie sind, was Sie wissen und wen Sie kennen – nicht bei „mythischen Zielen“.
  • Leistbarer Verlust: „Orientieren Sie Ihren Einsatz am für Sie leistbaren Verlust – nicht am erwarteten Gewinn.“
  • Umstände und Zufälle begrüßen: „Nutzen Sie Umstände, Zufälle und Ungeplantes als Gelegenheiten zum Lernen, anstatt sich dagegen abzugrenzen.“
  • Vereinbarungen und Partnerschaften eingehen: „Treffen Sie Vereinbarungen und bilden Sie Partnerschaften mit denen, die mitzumachen bereit sind, anstatt sich abzugrenzen oder nach den „wirklich richtigen“ Partnern zu suchen.“
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„Effectuation“ bedeutet also, dass man möglichst schnell, mit dem was man im direkten Zugriff hat, aktiv wird, sich mit offenen Augen und Ohren in seinem Umfeld bewegt, den Weg nicht alleine gehen will und jede Gelegenheit zum Lernen begrüßt. Mit dieser Haltung ausgestattet, kann jede auch noch so kleine Idee, der Beginn einer spannenden Lernreise werden, an deren Ende ein neues Produkt, ein neuer Job, ein neues Projekt oder ein anderes spannendes Ergebnis stehen kann. Hierbei wohnt dem Ansatz des „Effectuation“ die Eigenschaft inne, dass das Ende des Prozesses meist ganz anders und oftmals besser aussieht, als man zu Beginn erwartet hatte. Unterstützt wird der Ansatz von einem Prozessmodell, welches iterativ angelegt ist und aufbauend auf den vier Prinzipien dafür sorgt, dass die Randbedingungen des Prozesses zunehmend konvergieren und hierbei meine Ressourcen expandieren, so dass ursprünglich vielleicht nur unklar formulierte Ziele immer klarer in Sicht treten. „Effectuation“ bedeutet neben den vier Basis-Prinzipien, einem klaren Prozess (unterstützt durch viele Tools) vor allem aber eins: Ins Handeln kommen.

Alexander Zock (www.alexander-zock.de)


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